Kulturnews

Ingo Knechtel:

Enteignen

ist wohl gerade zu einem besonderen Reizwort im politischen Diskurs um dreiste Wohnungsunternehmen geworden. „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Das besagt Artikel 14 (2) des Grundgesetzes. Und dann ist es sicher mehr als verständlich, wenn sich Mieter wehren wollen gegen maßlose Mieterhöhungen, häufig in der Folge von Verkäufen und Sanierungen durch neue Eigentümer. Enteignungen haben die Menschen gerade im Osten schon erlebt. Nach dem Krieg gab es eine Bodenreform, Großgrundbesitz wurde an Kleinbauern, vielfach auch Umsiedler vergeben. Betriebe von Kriegsverbrechern und Naziaktivisten...

Weiterlesen

Straßenfotografen auf Abwegen

Oliver Krumes, Tokyo

Berlin1020, ein Kollektiv von sechs Fotografen, steht normalerweise für Straßenfotografie aus Berlin. In dieser Ausstellung zeigen die Künstler indes alles, nur keine Straßenfotografie aus Berlin. Wer sind die sechs und was können die Besucher in der Fotogalerie Friedrichshain erwarten?

Alex Pfeiffer betrachtet in seiner Arbeit „Einsamkeit der Macht" das menschenleere und karge Bundeskanzleramt. Als international bekannter und ausgezeichneter Straßenfotograf arbeitet Alex mit alten, analogen Objektiven an digitalen Kameras. Oder er bevorzugt gleich komplett ein analoges Arbeiten. Straßen in New York, Boston, Indien, Russland und den...

Weiterlesen
Inge Gräber:

GISELA lädt ein

Heinz-Hermann Jurczek, Tomorrow never knows, 2009, Acryl auf Leinwand, 130 x 120 cm

Die ehemalige Galerie OstArt in der Giselastraße 12 in Lichtenberg hat ein neues „Gesicht“ mit neuen Inhalten und neuem Namen erhalten: GISELA – Freier Kunstraum Lichtenberg. Das freundlicherweise vom Bezirksamt Lichtenberg, Fachbereich Kunst und Kultur, geförderte Vorhaben beinhaltet eine Neuausrichtung des Programms. In den dank der Eigeninitiative des Kulturring-Organisationsteams frisch renovierten Räumlichkeiten werden unter anderen die gewonnenen Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus der „Langen Nacht der Bilder 2018“ in die künftige Projektarbeit einfließen.

In den Räumen der GISELA werden auch außerhalb der jährlich einmal...

Weiterlesen
Hanno Schult:

Illegale Kriege | Das empfehlenswerte historische Buch zu kriegerischen Konflikten von gestern bis heute

Der Sitz der Vereinten Nationen in New York; Foto: Bundeszentrale für Politische Bildung

Mit dem Buchtitel „Illegale Kriege“ bezieht sich der mittlerweile auch in Deutschland sehr bekannte Schweizer Historiker und Friedensforscher Daniele Ganser auf die von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten Prinzipien der Vereinten Nationen aus den Jahren 1945 und 1974, in denen klar definiert ist, wann es sich um illegale Kriege im Sinne einer völkerrechtswidrigen Aggression handelt. So verstanden, gibt es dann auch nach Definition der UN-Generalversammlung von 1974 legale Kriege nur in zwei Fällen: Ein souveräner Staat wird Opfer einer Aggression durch einen anderen Staat, und/oder zur Abwehr einer Aggression bedarf es eines...

Weiterlesen
Thomas Sefzig:

BaumeCreatives: Oskar Kish

Foto: privat

Wer sich vor ein paar Jahren an dem dicken Gorilla vorbei ins Treptopolis gewagt hatte, fand sich in einer Welt wildester Schöpfungen wieder: Drachen, verschieden Raubtiere, ein Oktopus, allesamt aus Stahlschrott zusammengeschweißt, was einen ganz besonderen, morbiden Charme erzeugte. Der Macher dahinter war allen bekannt als Steve, der sich allerdings schon früh einen Künstlernamen zugelegt hatte, als er als Sprayer seine ersten kreativen Gehversuche unternahm. Geboren und aufgewachsen war er in Schöneweide, besuchte dort die Realschule und kam natürlich, mit etwa 15, in Kontakt mit der Jugendbewegung der 1990er. Er begann, wie quasi alle um...

Weiterlesen

Hinter der Kamera − Jüdische Fotografinnen

Eva Kemlein, Quelle: Wir waren Nachbarn

Die Fotografie entwickelte sich in der Weimarer Republik zu einem wichtigen Medium. Neue Techniken, wie die Durchsetzung des Kleinbildfilms, der die schwer zu handhabenden Glasplatten ablöste, und neue Vervielfältigungsmethoden, wie der Offsetdruck, sorgten für die rasante Verbreitung der Fotografie. Eine Sparte, in der gerade auch junge Frauen ein offenes Betätigungsfeld fanden. Hier mussten sie sich nicht gegenüber bereits etablierten männlichen Kollegen behaupten.

Der Jahresschwerpunkt 2019 der Ausstellung WIR WAREN NACHBARN im Rathaus Schöneberg widmet sich genau diesem Thema. Dazu liegen bereits einige biografische Alben vor, die sich...

Weiterlesen
Sabine Wang:

Buchi und die Schreibzwerge

Hexe Wanda mit Schreibzwergen

Jeden Freitag stapfen zehn kleine Autoren im Alter von drei bis fünf Jahren durch den Medienpoint Pankow an ihren „Schreibtisch“ und freuen sich auf einen lustigen Nachmittag.

Es wird erzählt, manchmal gesungen, gezeichnet und viel gelacht. Figuren und Handlung werden von uns allen gemeinsam erfunden, entwickelt und diskutiert. Buchi der Bücherbär fungiert als Dramaturg, moderiert das Ganze und begleitet die Kinder auf ihrem Weg von der Idee bis zur fertigen Geschichte. Selbst die Kleinsten finden daran Gefallen und berichten ganz aufgeregt wieder ein paar spannende Episoden, die mit in die Geschichten einfließen können.

Also wir finden sie...

Weiterlesen
Bernhard Korte:

Zehn Jahre Kindermedienpoint und andere Jubiläen

Foto: Kindermedienpoint

2019 ist fast wie jedes Jahr, ein Jahr der vielen Jubiläen. Es ist erneut ein wichtiges Jahr, in dem man sich an das Vergangene besonders erinnern sollte, um dann die gemeinsame Zukunft gestalten und meistern zu können. Wenn man dabei nur die ganz großen Ereignisse für sich nimmt, um damit den gedanklichen Spagat zwischen Kunst und Politik zu finden, gelangt man schnell auf den 500. Todestag des Universalgenies Leonardo da Vinci oder dann – doch etwas kleiner – den 30. Jahrestag des deutschen Mauerfalls. Beide Ereignisse sind wichtig, denn beide haben für das Land – und damit auch für uns – das nachfolgende Zeitgeschehen und Denken der...

Weiterlesen

Erinnerungen an Eva Badel 27.11.1928 – 16.12.2018

Foto: Christian Badel

Die Mitglieder der Interessengruppe Geschichtsfreunde Karlshorst im Kulturring in Berlin e.V. trauern um Eva Badel. Sie starb am 16. Dezember 2018, kurz nach Vollendung ihres 90. Lebensjahres.

Reinickendorf war der Ort ihrer Kindheit. Nach dem frühen Tod ihres Vaters zog ihre Mutter aus beruflichen Gründen mit Tochter Eva zunächst nach Westfalen und wurde dann in das von der deutschen Wehrmacht besetzte Westpreußen abgeordnet. Anfang 1945 folgte eine wochenlange Flüchtlingsreise durch Deutschland, bis in Thüringen ein erstes Unterkommen gefunden wurde. Mit 17 Jahren entschied sich Eva Badel dort wegen ihres Interesses für Fremdsprachen,...

Weiterlesen