Kulturnews

Die tägliche Routine,

sie hat uns wieder. Wir haben ein neues Jahr begonnen, vieles ist schon wieder Alltag. Die gleichen Abläufe, die gleichen Probleme… In einem „Wort zum Sonntag“ verglich Gereon Alter dieses Phänomen mit dem Kultfilm „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Wie kommen wir raus aus dem alltäglichen Trott? Das war ein guter Anlass auch für mich, darüber nachzudenken. Und da fielen mir ein paar schöne Begebenheiten ein, die sich um den Jahreswechsel herum ereigneten. Sie alle sprachen für den einen Augenblick, der etwas ganz Besonderes ist, eben keine Routine. Ein älteres Paar, er behindert und mit Gehhilfen unterwegs, genoss auf dem Weihnachtsmarkt am Alex einen Eierpunsch. Sie hatte ihm eine Bratwurst dazu geholt, die er im Brötchen verzehren wollte. Nach dem ersten Biss ging alles schief und die Wurst fiel direkt in den Abfallkorb. Mit einem Lächeln im Gesicht – „macht doch nichts“ – ging die Frau einfach zum Stand und holte ihm eine neue. Kein Schimpfen, kein Murren, der Besuch des Weihnachtsmarktes war für die beiden ein ganz besonderer Moment an diesem Tag, den nichts und niemand kaputtmachen konnte. Und noch ein wunderbarer Moment ereignete sich über Weihnachten: Meine 10 Monate alte Enkelin merkte plötzlich, dass sie sich nunmehr auch auf zwei Füßen vorwärts bewegen konnte. Und es klappte: das Kind läuft! Strahlende Augen, was für ein Ereignis! Und ebenso beim traditionellen Silvesterkonzert mit Concerto Brandenburg in der Gedächtniskirche passierte uns etwas Besonderes. Ein Besucher sagte in die Stille zwischen zwei Sätzen der Beethoven-Sinfonie einfach mal halblaut, so dass es sicher viele hören konnten, das Wörtchen „schön“. Er war offenbar so überwältigt und ergriffen vom Klangerlebnis. Wie wäre es, wenn wir uns alle vornähmen, uns solcher einmaligen Augenblicke öfter bewusst zu werden. Noch besser, wenn wir unser Leben selbst so gestalten, dass wir mal etwas anders als gewohnt machen, dass wir den Augenblick leben, ihn genießen. Unser Leben ist doch nicht allein Genuss, meldet sich da der Bedenkenträger. Aber vielleicht geben Sie den anderen öfter mal ein Lächeln und strahlen Freundlichkeit aus, beides ist nämlich ansteckend. Im Zusammenleben suchen und finden wir Momente des Glücks und der Zufriedenheit. Die Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Mitbewohner und nicht zuletzt die Gleichgesinnten im Verein sind das Umfeld, mit dem wir das Leben liebens- und lebenswert gestalten. Genießen wir diese besonderen Momente und durchbrechen wir noch mehr als im vorigen Jahr unsere tägliche Routine. Und nehmen wir andere dabei mit!