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Die Welt der Schamanen

Foto: Dirk Schlottmann

Die aktuelle Ausstellung in der Fotogalerie Friedrichshain bietet Einblick in verschiedene Schamanentraditionen im modernen Südkorea. Das Portfolio ist im Verlauf eines fotografischen Langzeitprojekts von insgesamt 18 Jahren entstanden.

Der Kontakt mit der spirituellen Welt und die Vermittlung zwischen Diesseits und Jenseits gehört zu den zentralen Aufgaben jeder Schamanin. Ein Teil der Ausstellung konzentriert sich dementsprechend auf das Thema Geistkontakt und zeigt Schamaninnen in liminalen Momenten von Trance, Ekstase und Besessenheit. Ein weiteres Thema ist das schamanische Totenritual. Diese seltenen Fotos geben Einblick in intime Momente einer ostasiatischen Kultur, deren Vorstellung von Abschied, Tod, Jenseits und Trauer sehr stark von chinesischen, buddhistischen und taoistischen Gedankenwelten beeinflusst ist. Ein drittes Sujet der Ausstellung umkreist das Thema Ritual. Die Gemeinsamkeit aller koreanischen Schamanenrituale basiert auf einem einheitlichen, transzendenten Weltbild und auf einem kollektiven Konsens an Wertevorstellungen, die sich in den Riten, Zeremonien und zwischenmenschlichen bzw. spirituellen Interaktionen widerspiegeln.

Zu Beginn des neuen Millenniums reiste der Fotograf tausende Kilometer durch das Land, um Schamanenrituale (   ) zu erleben und abzulichten. Im Verlauf seiner Recherchen musste er allerdings erkennen, dass der koreanische Schamanismus in seiner Komplexität, seinen modernen, urbanen Erscheinungsformen und seinen unzähligen, lokalen Varianten nur schwer zu erfassen ist. In den folgenden Jahren arbeitet er vermehrt mit einzelnen Schamanengruppen zusammen, was eine engere Verbindung zu einzelnen Schamaninnen begünstigte und andererseits eine Intimität erlaubte, die sich in den Fotografien widerspiegelt.

Die Ausstellung ist das Ergebnis der Suche nach einer bewusst gestalteten, künstlerischen Bildsprache, die sich zwischen künstlerischer Fotografie und Dokumentation bewegt und beiden Aspekten gerecht wird. Die Kombination aus Kunst und Ethnologie eignet sich insbesondere für schwer fassbare, irrationale Themen, da in beiden Disziplinen die sinnliche Wahrnehmung eine herausragende Bedeutung spielt. Letztendlich sind die Kernkompetenzen der Ethnologie die Fähigkeit zu beobachten und beim Beobachten die Perspektive zu wechseln. Diese Fähigkeiten bedeuteten für die visuelle Anthropologie und die Fotografie aber nicht nur, sich in „den Anderen“ hineinversetzen zu können, sondern auch, einen Eindruck jenseits der reinen, ethnologischen Dokumentation zu vermitteln.

Der Fotograf Dr. Dirk Schlottmann wurde 1968 in Mainz geboren. Als Ethnologe und Anthropologe bereiste er viele Länder Afrikas und Asiens. Im Juli 2017 gründete er das Institut für Koreanischen Schamanismus in Berlin, dessen Kreativdirektor er ist. In seiner Arbeit als Fotograf steht für ihn der Mensch im Zentrum seiner Aufmerksamkeit, er widmet sich der Porträtfotografie im klassischen Sinn sowie der dokumentarischen Fotografie. Seine Arbeit dreht sich um den essentiellen menschlichen Geist, den er einfangen und dabei die Auffassung eines Ethnologen mit dem Herz eines Künstler verbinden will. „Während meiner Reisen realisiere ich gern Projekte. Es ist immer ein interessanter Vorgang, eine Idee aufzugreifen, ein Thema zu erforschen und dabei neue Aspekte und Gesichtspunkte zu entdecken oder die überraschenden und unterschwelligen Ähnlichkeiten zwischen Kulturen herauszuarbeiten,“ sagt Schlottmann. In den letzten Jahren seiner Arbeit als Fotograf beschäftigte ihn im Wesentlichen die Beziehung zwischen Mensch und Geistlichem.

Die Ausstellung in der Fotogalerie Friedrichshain vom 31.1. bis 6.3.2019 wird ergänzt durch einen Vortrag von Dr. Dirk Schlottmann am 7.2. zum Thema „Koreanischer Schamanismus im neuen Millennium“, eine spezielle Führung durch die Ausstellung in Anwesenheit des Fotografen am 16.2. sowie eine Aufführung des Films „manshin“ mit anschließender Diskussion am 21.2.19.

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