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Klimawandel und Migration

sind hervorstechende Themen bei der Europawahl, dennoch treiben die EU-Bürger auch andere Sorgen um. In Deutschland haben die sogenannten Volksparteien CDU und SPD bei der Europawahl am 26. Mai einen deutlichen Dämpfer erfahren. Die SPD kam gerade einmal auf 15,8 Prozent der Wählerstimmen, ein wenig mehr, aber auch nicht zufriedenstellend, erhielten die Unionsparteien mit 28,1 Prozent. Das ist fast gleichauf mit den Grünen, bei denen gilt es jedoch als Erfolg. Die haben ein sehr gutes Ergebnis eingefahren und wurden bei der Wahl des EU-Parlaments mit 20,5 Prozent der Wählerstimmen erstmals zweitstärkste Kraft. Nach Umfragen lagen in Deutschland die Themen Klima an erster und Migration zweiter Stelle. Vor allem die Bewegung „Fridays for Future“ und das Video des Youtube-Stars Rezo, in dem er die CDU der Lügen bezichtigte, haben den Grünen sicher sehr geholfen. Bei einer europaweiten Umfrage waren hingegen die größten Sorgen der Bürger die Sicherheit vor Terror, die Gefahr durch Nationalismus sowie die wirtschaftliche Zukunft. Das zeigt, dass die Europäer betroffen sind und sich zuständig fühlen für ihren Kontinent.


Wer oder was ist die Europäische Union? Von Britannien bis zum Balkan, vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, erstrecken sich grob die Umrisse des Kultur- und geographischen Raums Europas. Es ist eine Vielfalt in Einheit. In Einheit? Einige Mitglieder der EU, davon die meisten in Osteuropa, mögen sich nicht weiter diktieren lassen, was Brüssel als Direktive ausgibt. Die Verbindlichkeiten und Pflichten sind für alle Teilnehmer gleich, die Gaben prozentual auch. Letzteres wird gerne angenommen, Ersteres möchte man gerne auf seine Art bestimmen. Klingt nach Foul Play, ist es auch. Die Rechtspopulisten konnten letztlich Gewinne verbuchen, ein flächendeckender Rechtsruck zeichnet sich dennoch nicht ab. Wie wichtig den Bürgern die Wahl ist, erweist sich durch die hohe Beteiligung daran. In Deutschland lag die Wahlbeteiligung bei 60 Prozent, europaweit stieg sie auf 51 Prozent, den höchsten Wert seit 20 Jahren.

Viele Hoffnungen haben die Gründer in diese Vereinigung vor guten 60 Jahren (Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, dem Vorläufer der EU) gesteckt. Zeitlich nah dem Ende des Krieges, muss die Sehnsucht nach Frieden und Partnerschaft mit den anderen europäischen Nationen groß gewesen sein. Ziele waren u.a. die Förderung des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts durch einen Raum ohne Binnengrenzen, überdacht von einer gemeinsamen Außengrenze. Dazu gehörte eine Wirtschafts- und Währungsunion sowie die gemeinsame Verteidigungspolitik. Und nicht zu vergessen: die Stärkung der Bürgerrechte. All dies hat sich als richtig bewährt. Kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander, freie Bewegung ohne Hindernisse. Nicht nur der christliche Glaube hat das Wertgefüge des Kontinents geprägt. Die schönen Künste dürfen in der Aufzählung natürlich auch nicht fehlen. Musik, deren Komponisten wie Mozart oder Vivaldi, zu zahlreich sind, um sie hier alle aufzulisten, sie machten Reisen durch dieses Europa und begeisterten die Zuhörer. Es ließen sich andere Künste anschließen, Leonardo da Vinci malte in Italien, Picasso in Spanien. Die Architektur, gestaltet von Eiffel oder Mies van der Rohe, drückte den Städten einen einprägsamen Stil auf. Columbus fand den Seeweg in die neue Welt. Er steht als Beispiel für die aufblühenden Wissenschaften. Das sind alles Zeugnisse für die Vielfältigkeit der Genres, Gattungen und Gewerke auf dem alten Kontinent.

Mit dem Austauschprogramm von Erasmus haben europäische Studenten die Möglichkeit, europaweit zu studieren und erhalten in dieser Zeit eine finanzielle Unterstützung. Sogar der Titel nach Abschluss des Studiums ist vereinheitlicht geworden, jetzt ist es nicht mehr der Magister/stra, sondern der Bachelor oder Master. Der frühere Kulturstaatsminister Bernd Neumann beschrieb Deutschland einmal als große Kulturnation, das sei ein Attribut, das auch für die anderen Nationen der Union gelte. Schließlich umfasste das Römische Reich mit seiner kulturprägenden Kraft nicht nur den Mittelmeerraum, sondern das heutige Frankreich, einen Teil Deutschlands sowie Britannien und den Balkan. Griechische Philosophie z.B. prägte das Denken an den Hochschulen, deren älteste in Krakau und Prag liegen. In jenem Teil Europas also, das sich gerade anstrengt, als Teamspieler auszufallen. Heute kommen Künstlerinnen und Künstler auch auf die Bühnen des Kulturrings, bei denen das Publikum gar nicht mehr nachdenkt, wo sie herkommen, aus welchem Teil Europas. Sie sind einfach da, heute hier, morgen dort. Kein Ah und Oh mehr, kein Staunen, die kommen ja aus Frankreich, das sind ja Polen, schau mal einer an, ein Spanier! Nein, wir wandern ganz selbstverständlich durch das europäische Gebilde hier, wir teilen ja auch alle das gleiche Dach. Diese Freiheiten und Möglichkeiten sind die Parameter für das Funktionieren der Demokratie und für den Frieden.

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