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Herausgefordert

fühlen sich viele von uns, wenn sie Situationen erleben, in denen manch einer alles besser zu wissen glaubt, in denen jemand nicht zuhören kann oder will, in denen Vorschriften und Weisungen an die Stelle von Erklärungen treten und in denen simple Regeln des Anstands und des Respekts missachtet werden. Dies ist so im Großen wie im Kleinen, im Zusammenleben von Partnern und von größeren Gruppen von Menschen. Wie oft haben wir in jüngster Zeit erlebt, dass dabei auch die Würde von Menschen mit Füßen getreten wird, nicht nur in Trumps US-Landen, auch in unseren Breiten? Gerade im Osten fühlen sich viele unverstanden, glauben, dass sich die da im Westen nicht für sie interessieren, dass sie abgehängt sind. Einige erklären alle um sich herum als ihre Feinde, meinen, sie seien die Opfer einer ungerechten Politik. Ihr Protest treibt manche von ihnen in rechte Fahrwasser. Und genau hier beginnt wirklich eine Herausforderung für uns alle. Wie kann aus Verbitterung und Hass wieder Optimismus, Interesse und Lebensfreude werden? Das geht nur gemeinsam, denke ich, nicht durch Polarisierung und Ausgrenzung. Vielleicht durch Argumente, vielleicht mit Ideen, wie das Fremde, Unbekannte besser kennenzulernen ist. In jedem Fall aber mit gegenseitigem Respekt. Erinnern wir uns doch gerade in diesem Jahr des Gedenkens an die Wendezeit vor dreißig Jahren solcher klugen Worte wie die Rosa Luxemburgs, dass die Freiheit auch immer die des/der Andersdenkenden ist. Suchen wir doch einfach noch viel öfter den Meinungsaustausch im gegenseitigen Dialog. Interessante Veranstaltungen, Gespräche, Diskussionen auch in unserem Verein laden dazu ein. Und vielleicht finden wir ja heraus, dass die Wahrheit nicht immer ganz leicht zu finden ist, dass häufig Kompromisse das Ergebnis der Suche danach sind. Aber all das führt zu neuen Erkenntnissen, das bereichert die eigene Persönlichkeit. Gerade erleben wir, dass viele junge Leute sich um unser aller Zukunft sorgen, sich gegen den Klimawandel engagieren. Die jungen Leute trafen sowohl auf Verständnis, als auch auf Widerstand. Doch sie wollen das Überleben der Menschheit nicht allein Experten und schon gar nicht Politikern überlassen. Sie fordern ihre Rechte ein, sie mischen sich ein. Jeder Mensch hat das Recht, ernst genommen zu werden. Gerade hier setzt auch der Kulturring mit seinen konkreten Vorhaben an. Mit einem EU-weiten Projekt, das in diesen Tagen startet, schlägt er den Bogen zwischen Gestern und Morgen, zwischen Alt und Jung: #shiftingwalls – Mauern verschieben. Es fordert uns heraus, Demokratie zu leben, Mauern in den Köpfen zu überwinden. Gemeinsam. Darauf freuen wir uns.

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