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Das Sperrgebiet | Wie Karlshorst 1945-1949 bewacht wurde

Foto: Klaus Kindermann, Sammlung Schneider

Nach den Aufgabenstellungen, strukturellen Details und räumlichen Gliederungen der Wachbataillone widmet sich dieser zweite Teil des Beitrags den Fragen, wie die Bedingungen für die Wachmannschaften waren, wie sie ihre Aufgaben erfüllten und wie es mit den Einheiten weiterging.

Bei den Wachgebäuden handelte es sich in der Regel um beschlagnahmte Zweifamilienhäuser, die nicht für die Unterbringung von 20 bis 40 Soldaten errichtet worden waren. Es mussten umfangreiche Umbauarbeiten durchgeführt werden. Die Küchen und hygienischen Einrichtungen entsprachen bis zum Ende der Nutzung als Wachgebäude nicht den offiziellen Anforderungen. Die hygienischen Bedingungen führten zu Massenerkrankungen und damit zum Ausfall großer Teile der Bataillone. In den Kellerräumen aller Wachgebäude wurden Arrestzellen, getrennt für aufgegriffene sowjetische Soldaten, Offiziere und Deutsche, eingerichtet.

Personell waren die Wachbataillone stets unterbesetzt. So fehlten im Mai 1946 im 137. Wachbataillon 110 Mann zur Sollstärke. Diese Unterbesetzung war durch die Demobilisierungswelle nach Kriegsende und die Aussetzung der Wehrpflicht bedingt. Neue Soldaten wurden zwar aus Reserveeinheiten zugeführt. Diese hatten jedoch nur einen ungenügenden Ausbildungszustand und waren teilweise sogar vorbestraft. Die Soldaten waren insgesamt überbelastet, da mit immer weniger von ihnen immer mehr Aufgaben erfüllt werden mussten. Das wirkte sich unmittelbar auf die Motivation der Soldaten und damit auf ihre Dienstdurchführung aus. Größte Probleme hatte man mit dem Schlafen der Soldaten auf dem Posten, dem unerlaubten Entfernen vom Posten und Alkoholdelikten während des Dienstes und danach. Nachgewiesen wurden Diebstähle durch Soldaten in unbewohnten Häusern von Karlshorst und eigenmächtige Requirierungen in der Umgebung (beliebt waren Fahrräder). Durchgeführte Kontrollen der vorgesetzten Offiziere zeigten die Schwachstellen der Bewachung von Karlshorst regelmäßig auf. Das Grundproblem konnte aber bis zur Übergabe der Wachaufgaben an die Volkspolizei nicht gelöst werden.
Ein großes Problem im Jahr 1946 waren Diebstähle aus den Häusern im Sperrgebiet. In einer besonderen Aktion wurden so am 11. Dezember 1946 70 Deutsche im Sperrgebiet ohne Papiere oder mit ungültigen Papieren festgenommen. Die schlechte Bewachung hatte sich in den umliegenden Ortsteilen herumgesprochen, und so versuchten 1945 ausgesiedelte Karlshorster, Teile ihres zurückgelassenen Eigentums zu retten, andere wollten sich nur an diesen Einrichtungsgegenständen bedienen.

Im Jahr 1948 kam ein weiteres Bataillon nach Karlshorst und wurde der SMAD unterstellt: das 107. Selbständige Schützenbataillon (Feldpostnummer 74932), Sollstärke 394 Mann. Als Unterkunft wurde diesem Bataillon ebenfalls das Barackenlager Wuhlheide zugewiesen. Aufgestellt worden war es ursprünglich zur Bewachung der Transporte von Reparationsgütern. Seine Aufgaben in Karlshorst sind bis heute unklar. Dokumente über die Einbindung in die Bewachung konnten noch nicht gefunden werden. 1949 erfolgte aber die erstmalige Zuführung von 300 wehrpflichtigen Soldaten für die Wachbataillone. Als Ausbilder wurden Angehörige des 137. Wachbataillons eingesetzt, die dadurch ihre Wachaufgaben nicht mehr wahrnehmen konnten. Es ist deshalb zu vermuten, dass dem 107. Selbst. Schützenbataillon Wachaufgaben erteilt wurden. Im Mai 1949 hatte das Bataillon nur noch 94 Soldaten, die am 17.5.1949 auf die anderen Wachbataillone verteilt wurden. Das Schützenbataillon wurde von der SMAD im November 1949 an die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSBTD) übergeben und aufgelöst.

Wie es weiterging: Mit der Übergabe der Verwaltungsfunktionen im Oktober 1949 an die DDR-Regierung wurden die Wachbataillone dem sowjetischen Stadtkommandanten unterstellt. Das 133. Wachbataillon bewachte jetzt Gebäude der Sowjetischen Kontrollkommission und später des Hohen Kommissars, das sowjetische Ehrenmal im Tiergarten und das Kriegsverbrechergefängnis in Spandau. Das 137. Wachbataillon wurde 1958 der GSBTD unterstellt und im Rahmen der Truppenreduzierung abgezogen und aufgelöst. Am 22. August 1961 wurde die sowjetische Stadtkommandantur aufgelöst. Das 133. Wachbataillon wurde als 133. Mot. Schützenbataillon (neue Feldpostnummer 64994) in die damalige 6. ­Selbstständige Sicherungsbrigade (Kasernen neben der Rennbahn) eingegliedert.

Wolfgang Schneider ist Mitglied der Geschichts­freunde Karlshorst im Kulturring.
Abbildungsnachweis: Fotograf Klaus Kindermann, Sammlung Schneider.
Literatur: Hans Albert Hoffmann, Berlin, Sowjetische Garnisonstadt 1945-1994
SMAD-Handbuch, Redaktion Jan Foitzik, Oldenburg Verlag 2009
Internet: Виктор Толстых; 10otb.ru

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