Kulturnews

Bilanz und Mitgliedervotum

Fotos: Felix Hawran

„Deutschland übergestern“, unter diesem Titel waren Fotografien zu radikalen Veränderungen am Arbeitsplatz nach der Wende in der Fotogalerie Friedrichshain zu sehen, als sich die Mitglieder des Kulturring zur Wahlversammlung am 2. Dezember trafen. Und vieles in dieser Ausstellung ließ die erschienenen Mitglieder dabei an die Arbeit des Kulturrings denken. Aus den Umbrüchen der Wendezeit entstanden, feierte er 2019 den 25. Jahrestag seines Bestehens. Seine Zielstellung kann man kurz und knapp zusammenfassen: Berlinweit gemeinnützig; Kultur, Kunst, Bildung durch Ehrenamt, Arbeitsförderung und Bundesfreiwilligendienst. In der Entwicklung des Vereins spiegeln sich somit auch die jahrelangen, zum Teil radikalen Veränderungen in der Gesellschaft wider, die ihre Wirkung in der Kultur, aber auch in der Arbeit für die Kultur zeigten. Arbeitsförderung und Freiwilligenarbeit spielten dabei eine zentrale Rolle, gerade um sinnstiftende und nützliche Beschäftigung mit dem Einsatz zur Abwendung eines kulturellen Kahlschlags zu verbinden.

Und so wurde der Bericht des Vorstands irgendwie doch wieder mehr als nur eine Reflexion über die letzten zwei Jahre. Sicher war es keine einfache Wahlperiode. Nach 10 Mitgliedern in den Jahren 2015 bis 2017 arbeiteten in der Wahlperiode 2017 bis 2019 fünf Mitglieder im Vorstand, die Aufgaben waren jedoch nicht weniger geworden. Ende Mai 2018 folgte dann, nach 25 Jahren Arbeit beim Kulturring, die Übergabe des Aufgabenbereichs des Geschäftsführers von Ingo Knechtel an Armin Hottmann, eine tiefgreifende Veränderung, nicht nur für den Pensionär, sondern ebenso für den „Neuen“, seine Mitarbeiter und damit auch für Mitglieder und Vorstand des Kulturrings. Astrid Lehmann zog in ihrem Rechenschaftsbericht eine sehr erfreuliche Bilanz. Ganz frisch sind die Erinnerungen noch an den Themenmonat zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im Oktober/November 2019, dessen Vorbereitung und Verlauf maßgeblich und mit großem Engagement vom Vorstandsmitglied ­Hannelore Sigbjoernsen mitgetragen wurde. Ein vom Senat gefördertes Projekt Rosa Winkel erlebte mit einer Ausstellung im Sommer in der Fotogalerie Friedrichshain einen neuen Höhepunkt und hat der Arbeit der AG neuen Schwung gegeben. Von den vielen weiteren Projekten, über die auch der Geschäftsführer in seinem Bericht sprach, fand die wiederholte Organisation der Langen Nacht der Bilder in Lichtenberg durch den Kulturring besondere Erwähnung. Als Erfolg steht auch zu Buche, dass es dem Verein gelang, für das Berliner Tschechow-Theater in Marzahn-Nordwest eine Förderung aus Mitteln des Jugendbereichs im Bezirk zu erreichen und damit den Erhalt des Theaters nach Auslaufen des Quartiesmanagements für den Stadtteil zu sichern. Ebenso erfreulich stelle sich der Beginn des neuen EU-Projekts „Shifting Walls“ dar, so Hottmann. Er plädierte dafür, mit den Astrengungen zur Fokusierung der Arbeit auf die nachfolgende Generation verstärkt fortzufahren. Als ständige Aufgabe sah der Vorstand die Unterstützung der Projektarbeit in den Bereichen an. Dies betraf nicht nur die Teilnahme an Veranstaltungen. Ganz konkret ging und geht es z.B. in Marzahn-Hellersdorf darum, nach der Schließung des Kulturforums Hellersdorf die Arbeit verschiedenster Gruppen und Projekte zu sichern. Hier setzte sich das Vorstandsmitglied Lutz Wunder besonders ein. Durch die Teilnahme an BVV-Sitzungen, als stellvertretender Bürgerdeputierter und in der Vernetzung mit anderen Trägern sorgte er für eine stete Präsenz des Kulturrings, die hoffentlich bald wieder zu einer besseren Zusammenarbeit mit dem Bezirk führen wird.

Der Vorstand hatte sich Themen wie die stärkere Zuwendung zu den Mitgliedern, die Mitgliedergewinnung, die enge Vernetzung mit anderen Akteuren, aber auch die Entwicklung von Visionen für den Kulturring in den Arbeitsplan geschrieben. Sicher konnte nicht alles umgesetzt werden, und doch wurde einiges geschafft: die enge Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch mit den Mitgliedern, den Arbeits- und Interessengemeinschaften und Freundeskreisen wurde voran gebracht. In gemeinsamen Treffen wurden konkret Wünsche und Vorstellungen nahegebracht, auch Kritik wegen mangelnder Transparenz in der Vorstandsarbeit wurde geäußert. Das Wichtigste aber war: Das Gespräch und der Erfahrungsaustausch – da waren sich alle einig – sind immer noch die effektivsten Methoden, um auf kurzem Weg zu Veränderungen zu kommen. Eine davon war eine veränderte Darstellung der Arbeits- und Interessengemeinschaften in der Internetpräsenz des Vereins. Jeder soll die Gruppen schnell finden und Kontakt zu ihnen aufnehmen können. Eine Kurzdarstellung der inhaltlichen Schwerpunkte der Gruppen ist jetzt in Arbeit. Überhaupt gibt es ein Team, eine Arbeitsgruppe für Öffentlichkeitsarbeit, die eine Vielzahl von neuen Ideen entwickelte. Eine neue Website ist im Entstehen, und die KulturNews haben ein neues Aussehen bekommen. In der Diskussion zu den Berichten wurden weitere positive Beispiele vermittelt, so die Video-Clips „60 Sekunden Kulturring“ im Netz sowie die Ausweitung der Arbeit mit den sozialen Medien.

Wenn der Kulturring im letzten Jahr bei rund 670 Veranstaltungen über 31.000 Besucher zu verzeichnen hatte, wenn in seinen Projekten rund 270 Teilnehmer mitarbeiten, so ist der herzliche Dank des Vorstands und des Geschäftsführers für diese Arbeit ein Ausdruck hoher Wertschätzung für ein überaus erfolgreiches Engagement von Mitgliedern und Mitarbeitern. Das gibt Motivation, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzumachen. Das zustimmende Votum für den neu gewählten Vorstand war dann auch einmütig. Zum neuen Vorsitzenden wählten die Mitglieder Lutz Wunder, zu seiner Stellvertreterin Astrid Lehmann. Weiterhin ist auch Hannelore Sigbjoernsen im neuen Vorstand vertreten und als neues Mitglied Anja Bodanowitz, die schon mehrere erfolgreiche Projekte in der Kinder- und Jugendarbeit in Friedrichshain-Kreuzberg für den Kulturring durchgeführt hat und eine große Bereicherung für diesen wichtigen Aspekt zukünftiger Vereinsarbeit darstellt. Wir gratulieren den neuen Vorstandsmitgliedern und wünschen viele Erfolge!

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