Kulturnews

Lange Nacht der Bilder in Lichtenberg 2019

Karolin Hägele, Stadtlandschaft, 2018, 120 x 100 cm, Eitempera, Pigmente auf Holz

Die Lange Nacht der Bilder entwickelt sich stetig weiter und strahlt 2019, in ihrem zwölften Jahr, bereits weit über den Bezirk hinaus. Am 6. September zwischen 18 und 24 Uhr feiert sich die Bildende Kunst in Studios, Kirchen, öffentlichen und privaten Galerien sowie kleinen Einzelateliers, Werkstätten und großen Atelierhäusern.

Die Eröffnungsveranstaltung (Beginn 16 Uhr) findet dieses Jahr in den Studios ID in der Genslerstraße 13 statt. Genauer gesagt im Haus X im Hof des Areals im sogenannten „Kupfersaal“. Auf dem Gelände war zu DDR-Zeiten die technische Abteilung des Auslandsgeheimdienstes untergebracht. Der Kupfersaal ist komplett mit Kupferplatten ausgekleidet, um damals die  Abhörsicherheit zu gewährleisten. Heute, mit 270 Ateliers für Künstler umgewidmet, wird von diesem Saal eine andere Botschaft ausgehen: die Eroberung der Welt durch die Kunst!

Insgesamt 65 Künstler der Studios ID haben sich offiziell zur „Langen Nacht der Bilder“ angemeldet und öffnen ihre Ateliers. Auch eine kleine Gemeinschaftsausstellung wird präsentiert, rund um den Kupfersaal herum in den Gängen und Fluren. Bildende Kunst aus allen Bereichen: von Zeichnung über Grafik, Malerei, Fotografie und Objektkunst.

So wie im letzten Jahr werden wieder Bustouren, Fahrradtouren und Touren zu Fuß (neu) stattfinden. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Besucher in kurzer  Zeit einen möglichst großen Teil des im Bezirk Dargebotenen erfassen können. Denn der Bezirk Lichtenberg erstreckt sich von Neu-Hohenschönhausen im Norden bis zur Rummelsburger Bucht im Süden. Das umfasst dieses Jahr insgesamt 43 Standorte – letztes Jahr waren es lediglich 33 Veranstaltungsorte.Drei kleine Bustouren starten von der Genslerstraße 13 aus. Im großen Bus mit 45 Plätzen, von Christof Düro und Kathleen Gallego-Zapata geleitet, werden historische Orte angefahren, die einer neuen Nutzung zugeführt wurden. Das Mies-van-der-Rohe-Haus, ein ehemaliges Wohnhaus mit Park, heute kommunale Galerie, zeigt mit Daniel Buren und Günther Fruhtrunk zwei international anerkannte Künstler der Konkreten Kunst. Die HB 55 – Räume der Kunst, eine ehemalige Margarinefabrik in der Herzbergstraße 55, entwickelte sich zum „melting point“ der Kunst, einem Ateliergebäude mit Künstlern aus allen Teilen der Welt. Der „Campus für Demokratie“ war früher ein Teil der Stasi-Infrastruktur, der mehreren tausend Menschen Arbeitsplätze bot. Heute finden dort Ausstellungen und Filmvorführungen statt und zur Langen Nacht zusätzlich eine fachkundige Führung über das Gelände in der Ruschestraße. In der Erlöserkirche, der letzten Station dieser Tour, findet eine Ausstellung statt sowie ein Konzert (ab 19.30 Uhr) und eine Führung zur Geschichte und Architektur der Kirche.

Die drei Touren mit den kleinen Bussen (16 Plätze) teilen den Bezirk in drei Routen. Es gibt einen Jugendbus für 14-18-Jährige, der von der Jugendkunstschule (Juks) in der Demminer Straße 4 startet. Unter dem Slogan „Mach Dir (D)ein Bild“ geht es von der Juks zur HB 55 und zum „Kulturbotschafter“ in der Herzbergstraße 53. Zwei Atelierhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft, in denen diverse Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden. Gegen 20 Uhr endet der Bus bei Christian Awe, dessen Atelier in der Siegfriedstraße 204 angesiedelt ist. Christian Awe ist ein international anerkannter Künstler, der vor Ort Einblick in seine Arbeitsprozesse gibt und den Besuchern Frage und Antwort steht. In der Wönnichstraße 69/71 gibt es eine Diashow zu sehen, an die Wände des Hotels Holi-Berlin projiziert. Danach geht es wieder zurück zur Juks.

Die Bustour 2 startet in der Genslerstraße und führt zunächst zur Villa Kuriosum in der Scheffelstraße 21. Hier gibt es ein breites Angebot an Ausstellungen, Tanz, Vorträgen, Konzerten und Feuershows im Garten. Danach folgt die rk-Galerie im Rathaus Lichten-berg, in der fünf Künstlerinnen und Künstler Malerei, Zeichnung und Videos präsentieren. Nächster Halt ist das Studio Bildende Kunst in der John-Sieg-Straße 13 mit einem breitgefächerten Programm der Malerei und der Druckgrafik. Über das Studio EM in der Buchberger Straße 27 und den Blauen Laden in der Hagenstraße, die ein Ausstellungsprogramm in einem eher intimen, kleineren Rahmen zeigen, geht es zur Siegfriedstraße 204 zu Uwe Bohrer, der erstmals bei der Langen Nacht teilnimmt. Dort gibt es Fotografien zu sehen.

Eine dritte Bustour führt von der Genslerstraße am Tierpark 12 vorbei. Dort gibt es das größte Wandgemälde der Welt zu bestaunen. Gegenüber, am Tierpark 3 im Hof, findet ein Vortrag zum Thema Artenvielfalt statt, eingerahmt von einer Filmvorführung. Danach stehen die BLO-Ateliers auf dem Programm. Auf dem ehemaligen Gelände der Reichsbahn hat sich ein Künstlerkollektiv niedergelassen, das uns Bilder und Videos zeigt. Im Anschluss geht die Fahrt ganz in den Süden in die Splanemannsiedlung, in das Bildhauer- atelier von Caroline Wagner, einen Ort der plastischen Gestaltung und Tierbildhauerei. Zum Schluss dieser Tour sehen wir eine Ausstellung im Kulturhaus Karlshorst: „Die Welt im Tagebuch“. Hierbei handelt es sich um eine Ausstellung von Bildern und Skulpturen, die wie ein Reisetagebuch zusammengestellt wurde. In über 100 Ländern hat der heute 49-jährige Michael Fischer bisher Projekte realisiert oder Bilder angefertigt. Dabei hat er immer seine Skizzen-Bücher dabei und hält unmittelbar fest, was sich ereignet.

Eine Fahrradtour und eine Tour zu Fuß werden im Weitlingkiez veranstaltet. Auch hier nehmen einige Veranstalter zum ersten mal an der Langen Nacht teil. Zum Beispiel Joseph Given, der in einer Physio-Praxis in der Margaretenstraße 7 seine Grafiken zeigt und ab 21 Uhr eigene Texte lesen wird. Die Freiwilligenagentur Oskar in der Weitlingstraße 89 veranstaltet eine Bilderaustellung und lädt zur Diskussion ein. Hier treffen sich Menschen, die sich für ein freiwilliges Engagement einer Bürgergesellschaft einsetzen, die Nachbarschaftshilfe organisiert und den Zusammenhalt im Kiez zu ihrem Credo gemacht hat. Das Weitlingkiez-Kollektiv, bekannt für ihre Musikveranstaltungen, wird bei der Langen Nacht Fotos vom Kiez an eine Häuserwand in der Wönnichstraße 69 projizieren: Eine fotografische Reise durch den Weitlingkiez.

In der Giselastraße 12 befindet sich der Freie Kunstraum GISELA. Seit Anfang des Jahres Sitz des Teams Gisela, das auch die Planung und Organisation der Langen Nacht mitgestaltet und hier einen kleinen Kunstraum betreibt (im Namen des Kulturrings in Berlin e.V.). Zur Langen Nacht findet eine Vernissage von drei Künstlerinnen statt, die ihre neuesten Arbeiten präsentieren. Karolin Hägele (Malerei), Teresa Casanueva (Objekte) und Claudia Stegmann (Papierarbeiten) präsentieren ihre Zwischenträume noch bis Mitte Oktober.

Götz Badtke in seiner Atelierwohnung in der Emanuelstraße 2 zeigt Reliefbilder. Die Designmanufaktur Potpourri in der Lückstraße 44 zeigt Arbeiten von B. P. Hauer, der eine Wanderung von Frankreich nach Berlin zum Thema machte und dazu eigene Texte lesen wird.

In der Victoriastadt wird es eine Tour zu Fuß geben, beginnend in der Galerie des Berliner Baugewerbes. Hier wird von acht Künstler*innen an einer großen Installation gearbeitet, work in progress. Der Zuschauer ist mit der aktuellen Arbeit an einem Kunstwerk konfrontiert und wird Zeuge der Entstehung von Kunst. Daran schließt sich ein Besuch im Restaurant „Je länger Je lieber“ an, das Werke des Fotografen Stefan Angermüller zur Schau stellt. Die Ausstellung „Stadtwelten und Strukturen“ charakterisiert fotografisch das Leben im Urbanen mit seinen Gegensätzen und einzigartigen Momenten. Die Fotografien von Stefan Angermüller entfalten einen grüngrauen Mikrokosmos mit urbanen Einblicken und stimmungsvollen Strukturen.

Das Museum Lichtenberg im Stadthaus zeigt als Sonderausstellung im Schaufenster Sibylle Waldhausen mit Bronzeskulpturen. Des Weiteren findet sich im Stadthaus die Ausstellung: „Tiere–Menschen–Sensationen – Der Fotograf Wulf Olm Presse-, Reportage- und Tierfotos“. Der Pressefotograf Wulf Olm war gebürtiger Karlshorster und wohnte viele Jahre in Neu-Hohenschönhausen. Mit seinen Fotos war er immer nah am Leben, ob bei seinen Reportagen auf den sozialistischen Baustellen oder in dem vom Wandel nach 1990 betroffenen Land, ob auf der Sport- und Trabrennbahn oder im Tierpark oder Tierheim. Die Ausstellung ist eine erste Retrospektive des 2007 verstorbenen Fotografen, der als einer der besten deutschen Sport- und Tierfotografen galt.

In der Galerie in der Victoriastadt werden kleinformatige Textilarbeiten von 50 Künstlern der TEXTILE ART BERLIN 2019 gezeigt. Die Buchhandlung paul+paula zeigt Photos und Texte von Claude Cahun. „I‘m in training – don‘t kiss me – eine nacht mit claude cahun und suzanne malherbe“. Zur „Langen Nacht der Bilder“ wird wieder eine Broschüre erscheinen. Zum ersten Mal gibt es eine eigene Homepage: www.langenachtderbilder.de.

Archiv